Innovationsförderung in der Berufsbildung
Das BBT unterstützt mit dem Titel „Förderung von innovativen Projekten und Talenten in der Berufsbildung“, ein Förderprojekt, welches von den beiden Organisationen „Schweizer Jugend forscht“ (SJf) und „Berufsbildung Schweiz“ (BCH) ausgearbeitet wurde. Martin Freimann ist Projektleiter bei "Schweizer Jugend forscht".
"Wir hatten in den letzten Jahren immer hervorragende Arbeiten aus der Berufsbildung, die sich auch Dank der praktischen Ausführungen national und international profilierten."
Martin Freimann, Projektleiter Innovations- und Talentförderung
Weshalb haben Sie nach der obligatorischen Schulzeit (k)eine Berufslehre absolviert?
Ich habe als Koch, Maurer und Schreiner jeweils mehrere Wochen geschnuppert und dabei Neues und Unbekanntes kennen gelernt. Weil ich aus einer Lehrer-Familie stamme, war der Gang ans Seminar dann aber naheliegend, denn ich konnte abschätzen, was mich erwartet.
Innovations- und Talentförderung in der Berufsbildung heisst Ihr Projekt. Welche Zielsetzung verfolgen Sie grundsätzlich damit?
Der BCH kennt den Schulalltag an den Berufsfachschulen und das Potential der Lernenden. Die Stiftung SJf selektiert seit über 40 Jahren Projektarbeiten nach nationalen und internationalen Kriterien aus Wirtschaft und Wissenschaft. Gemeinsam gelingt es den beiden Organisationen im Verbund mit den Berufsfachschulen und Berufsverbänden die Innovationen und Talente der jungen Berufsleute nachhaltig zu fördern und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zu einer prosperierenden Volkswirtschaft. Ebenso gilt es zu erwähnen, dass die Eigenverantwortlichkeit und die Selbständigkeit der jungen Berufsleute gestärkt werden. Der nationale Wettbewerb von SJf weckt Interesse und Aufmerksamkeit in der Wirtschaft und Wissenschaft und soll auch den Berufsleuten als nationales oder internationales Sprungbrett dienen.
An welche Projekte denken Sie?
Während der Realisierungsphasen der Vertiefungsarbeiten (VA), selbständigen Arbeiten (SA) und der interdisziplinären Projektarbeiten (IdPA) sollen die Lernenden einen Schuss Innovation in ihre Projekte einfliessen lassen.
Was ist eine Innovation? Die Fragestellung beinhaltet eine Schöpfung, eine Erneuerung, eine Idee, eine Erfindung, welche in neue Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren einfliesst.
Was ist ein Talent? Jede Person verfügt über fachliche, methodische, personale und soziale Ressourcen. Durch die intensive Anwendung werden die Ressourcen gestärkt und die Lernenden entwickeln ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten. Die Lernenden sollen auch gezielt in den personalen und sozialen Ressourcen wie Eigenverantwortung und Selbständigkeit gestärkt werden.
Haben Projekte aus der Berufsbildung überhaupt Chancen am nationalen Wettbewerb SJf in die Ränge zu kommen?
Wir hatten in den letzten Jahren immer hervorragende Arbeiten aus der Berufsbildung, die sich auch Dank der praktischen Ausführungen national und international profilierten. Die Verbindung zwischen Theorie und Praxis ist die grosse Chance der jungen Berufsleute und ist ein bedeutsamer Erfolgsfaktor von unserem Berufsbildungssystem.
Wie werden Berufslernende und die sie begleitenden Lehrpersonen während der Projektphase unterstützt?
Bis zum Qualifikationsverfahren werden die Lernenden von der Lehrperson und die Lehrperson vom Ambassador (Schuldelegierte/r für Begabtenförderung) unterstützt. Die Lernenden realisieren ihre Projekte im Rahmen der ordentlichen Schulverfahren für die Abschlussarbeiten ohne zusätzliche Aufwände. Entscheidend ist, dass die Lernenden den Aspekt der Innovation in ihrer Arbeit verfolgen. Nach dem Lehrabschluss bis zum nationalen Wettbewerb werden die jungen Berufsleute von SJf-Coaches und von ausgewählten Fachpersonen individuell begleitet. Zusätzlich organisiert SJf Trainingscamps mit dem Zweck, dass die jungen Berufsleute lernen, ihre persönlichen Stärken beim Lernen und Arbeiten zu nützen. Das nächste Camp findet am 4. Juli 2012 an der ETH in Zürich statt.
Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für das Schweizerische System der Berufsbildung?
Das schweizerische Berufsbildungssystem ist das erfolgreichste auf der ganzen Welt. Keinem anderen Land gelingt es, über 96% der jungen Menschen in die Berufswelt einzuführen. Mehr noch: Ohne die gut ausgebildeten jungen Menschen hätten unsere Volkswirtschaft grösste Schwierigkeiten. Diese Installation ist folglich höchst wirkungsvoll, ein Garant für Wohlstand und ein wesentlicher Faktor für eine harmonische Begegnung zwischen den Generationen. Ein Erfolgsrezept soll gehütet und gepflegt werden und mit dieser Weitsicht, werden auch die Generationen von Heute die Generationen von Morgen in die Berufsbildung begleiten.
22.06.2012
Kontakt
Martin Freimann martin.freimann@sjf.ch
Die Fragen stellte Gallus Zahno, Redaktor Berufsbildung educa.ch gallus.zahno@educa.ch
