LearningApps erstellen
LearningApps.org ist eine Web 2.0 Anwendung, die Lehr- und Lernprozesse mit kleinen interaktiven Bausteinen unterstützt. Multimediale und interaktive Lernobjekte lassen sich leicht mit Hilfe von Vorlagen erstellen. Michael Hielscher ist Entwickler von LearningApps und betreut die Plattform im Auftrag der PH Bern.
"In Anlehnung an YouTube versucht die Plattform LearningApps.org kleine, interaktive und multimediale Lernbausteine zu sammeln und einem breiten Publikum kostenlos zur Verfügung zu stellen."
Michael Hielscher, Entwickler von LearningApps
Weshalb haben Sie nach der obligatorischen Schulzeit (k)eine Berufslehre absolviert?
Für mich war bereits frühzeitig klar, dass ich Informatik studieren wollte. Eine Berufslehre kam somit für mich nicht in Frage.
LearningApps.org ist eine Web 2.0-Anwendung zur Unterstützung von Lernprozessen. Bitte erklären Sie die Idee dahinter.
Die Idee für LearningApps entstand aus der Frage wie man digitale Unterrichtsmaterialien interaktiver und multimedialer gestalten könnte und beruht unter anderem auf den gesammelten Erfahrungen aus zwei früheren Projekten. Zum einen das an der Hochschule Zittau/Görlitz (Sachsen) entstandene System ProgrammingWiki (http://programmingwiki.de), mit dem man interaktiv direkt im Browser das Programmieren erlernen kann. Zum anderen das Forschungsprojekt Matchix, einem Autorenwerkzeug zur Herstellung multimedialer Übungen, welches an der ETH Zürich in Kooperation mit der PHBern entstand.
In Anlehnung an YouTube, einer der größten Web 2.0-Dienste, versucht die Plattform LearningApps.org kleine, interaktive und multimediale Lernbausteine zu sammeln und einem breiten Publikum kostenlos zur Verfügung zu stellen. Sammlungen dieser Art sind nicht neu, das Besondere an LearningApps.org ist die Möglichkeit, jeden Lernbaustein anpassen und neue Bausteine aus Vorlagen erstellen zu können und das ohne Installation einer Software direkt online im Webbrowser. Autoren können anschliessend selbst entscheiden, ob sie erstellte LearningApps im Katalog veröffentlichen oder nur für ihre Webseite verwenden wollen. Rund 10% der erstellten Apps werden derzeit veröffentlicht. Wie im Web 2.0 üblich erstellen also die Benutzer der Plattform die Inhalte und können diese Verschlagworten und Bewerten. Die Plattform stellt lediglich die Werkzeuge zur Verfügung.
LearningApps.org ist ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt des Zentrums für Bildungsinformatik der Pädagogischen Hochschule Bern, in Kooperation mit der Universität Mainz und der Hochschule Zittau/Görlitz. Seit August 2011 ist die Plattform für alle frei zugänglich. In den letzten 3 Monaten haben sich bereits über 250 Benutzer aus verschiedenen Ländern registriert.
Hauptbestandteil sind interaktive Bausteine (Apps genannt). Können Sie uns die wichtigsten beschreiben?
Der Grossteil der Apps wurde von verschiedensten Nutzern aus den derzeit 12 angebotenen Vorlagen erstellt. Wie bei YouTube gibt es darunter gute und weniger gute Inhalte. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe von Apps, die von Lehrpersonen oder unserem Entwicklerteam erstellt wurden und in der Regel einen ganz bestimmten Zweck oder Lerninhalt besitzen. Zum Beispiel ist das bis heute beliebteste App ein Mathematik-Spiel, bei dem das Ergebnis von Additions- und Subtraktionsrechnungen abgeschätzt werden muss. Zwei Lernende können dabei gegeneinander antreten und versuchen so schnell wie möglich einen Turm aufzubauen.
In welchen didaktischen Szenarien sind diese Learning-Apps einsetzbar?
Das ist ganz vielfältig und kommt stark auf das jeweilige App und dessen Inhalt an. Die meisten Apps sind sicher zum Festigen von Wissen und zum selbstständigen Üben angelegt. LearningApps sind sehr einfach zu erstellen, wodurch auch die Schülerinnen und Schüler kreativ werden können. Lernen durch Lehren ist hier ein Stichwort. In der Kategorie Unterrichtswerkzeuge finden sich zudem spezielle LearningApps, die zum kollaborativen Arbeiten verwendet werden können. Beispielsweise zum gemeinsamen Schreiben eines Dokuments, Chatten oder zur Gestaltung einer virtuellen Pinwand.
Welche Funktion sehen Sie für die Plattform LearningApps?
Für viele Nutzer sind die auf der Plattform angebotenen Assistenten zur Mediensuche und Bearbeitung ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen ähnlich ausgerichteten Autorenwerkzeugen. Bei der Herstellung eines LearningApps können Medien unmittelbar gesucht und zugeschnitten, Bilder hochgeladen und Audio- und Videoinhalte direkt per Webcam aufgenommen werden, ohne eine weitere Software verwenden zu müssen.
Genau wie YouTube-Videos können LearningApps in nahezu jede Webseite eingebettet werden. Sie können damit leicht in bestehende digitale Unterrichtsmaterialien und Systeme wie Wikis, Blogs oder Lernplattformen wie Moodle integriert werden. Rund die Hälfte der derzeit vorhandenen Apps lässt sich auch auf mobilen Geräten wie iPhone, iPad oder Android Smartphones verwenden.
Die Plattform ist noch jung und befindet sich offiziell noch in der Beta-Phase. Wir möchten in den nächsten Monaten vor allem Lehrpersonen in Workshops und Vorträgen auf das Angebot aufmerksam machen. Daneben bauen wir das Angebot auch stetig mit neuen Funktionen und Vorlagen aus. Da die Plattform auch für Webentwickler offen steht, werden zukünftig vielleicht auch Inhalte und Vorlagen entstehen, an die wir selbst noch gar nicht gedacht haben. Eine Kommerzialisierung wird es hingegen nicht geben, auch in Zukunft werden die Plattform und die Inhalte für alle Nutzer kostenlos bleiben.
Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für das Schweizerische System der Berufsbildung?
Gerade als Deutscher betrachte ich das duale Bildungssystem der Schweiz als eine grosse Stärke. Ich hoffe sehr, dass der hohe Stellenwert der Berufsbildung auch in Zukunft beibehalten werden kann und die Berufslehren nicht “akademisiert” werden.
27.10.2011
Kontakt
Michael Hielscher michael.hielscher@phbern.ch
Die Fragen stellte Gallus Zahno, Redaktor Berufsbildung educa.ch gallus.zahno@educa.ch
